Jakobsweg Weinviertel mit vier Lamas

20. - 25. März 2016

Drasenhofen - Poysdorf - Mistelbach - Stockerau - Krems

Jakobsweg Weinviertel mit vier Lamas

 

Elixhausen - Drasenhofen – Kleinhadersdorf;  21,5 Km - 350 HM

Als um fünf der Wecker läutete, wäre ich lieber noch liegen geblieben und hätte die Reise um eine Woche verschoben, so arg setzte mir die schon eine Woche andauernde Verkühlung zu. Um Viertel nach sechs kam Willi mit dem Anhänger, den er so umgebaut hat, dass seine beiden Lamas Lanzelot und Legolas getrennt von unseren Beiden, Don Camillo und Peppone transportiert werden konnten. Wir fuhren im Konvoi über Krems, wo wir unser Auto auf einem Park + Ride Platz stehen ließen, gegen zwölf kamen wir am Gemeindehof in Drasenhofen an wo wir für die Zeit der Wanderung Willis Auto und Anhänger stehen lassen konnten. Beim Ausladen sahen wir, dass es richtig war die Burschen zu trennen, denn unsere beiden haben mit ihrer Spuckerei die Wände grün ausgemalt. Als wir um halb eins loszogen, bemerkten wir, Peppone humpelt ein wenig. Das Wetter hielt sich an die Vorhersage, windig, kühl, bewölkt und auch immer wieder sonnig, so wanderten wir durch Wiesen und Wälder über eine hügelige Landschaft und hielten Peppone im Auge der am weichen Boden problemlos ging,am Pflaster aber mit dem rechten Vorderbein leicht humpelte. Am späten Nachmittag erreichten wir Poysdorf, dort war Saisoneröffnung „Vino Versum“ so hieß das Fest, das schon voll im Gange. Im Vorfeld unserer Planung wurden wir vom Tourismusverband eingeladen. Thomas Grießl, der Bürgermeister lud uns auf ein Gläschen Wein ein und die Gäste waren von unseren Lamas begeistert. Bald mussten wir weiter, denn wir hatten noch ein paar Kilometer bis zu unserer Unterkunft die wir schon telefonisch bestellt hatten. Um halb acht kamen wir im Gasthof an, versorgten die Lamas die wir im Gastgarten an Laternen, Rutschen und Bäumen anhängten. Gleich nach dem Abendessen schauten wir, dass wir nach diesem langen Tag ins Bett kamen.

 

Kleinhadersdorf – Asparn; 22,6 Km - 250 HM

Am Morgen, so gegen sieben begann der Rhythmus der uns die ganze Wanderung begleiten sollte, nach dem Aufstehen zu den Tieren, die Perlen verräumen, ein wenig Futter geben, frühstücken, satteln und auf den Weg machen. Das Wetter war wieder durchwachsen und ziemlich windig. Wir zogen über Hügel in Richtung Mistelbach, auf dem Weg dorthin besuchte uns der Tierarzt den der Fotograf Christian aus Poysdorf am Vorabend kontaktierte. Er schaute sich Peppones Fuß an und konnte wie auch wir, keine Verletzung feststellen. In der Folge schauten wir, dass Peppone soviel wie möglich auf weichen Untergrund gehen konnte. In Mistelbach gingen wir zum Tourismusbüro und mussten feststellen, dass im Kloster in Asparn in dem wir übernachten wollten, kein Platz mehr frei war. Nach einigem hin und her bekamen wir Zimmer beim einzigen Heurigen in Asparn, da sich der Weg bis dorthin noch zog, tranken wir noch einen Kaffee in Mistelbach, wo wir einen ziemlichen Auflauf provozierten. Traudl bekam sogar von einem alten Mütterchen fünf Euro fürs Futter. Gegen fünf kamen wir beim Heurigen an, stellten die Lamas in den Heurigengarten, versorgten sie mit ein wenig Kraftfutter und Karotten. Heu bekamen sie später, das uns freundlicherweise der Mitarbeiter des Tourismusbüros in Mistelbach nachbrachte, da er und seine Tochter Pferde hatten. Wie fast auf der ganzen Reise trafen wir viele freundliche und hilfsbereite Menschen. Sebastian ein Pilgerfreund aus Wien, der uns auch schon auf dem SalzAlpenSteig und auf der Odenwaldwanderung begleitete, kündigte sich für die nächsten zwei Tage an. Wir aßen noch zu Abend, lehrten noch ein paar Gläschen Wein und gingen gegen zehn zu Bett.

 

Aspern – Wetzleinsdorf; Km 28,9 Km - 470 HM

Bei relativ gutem Wetter erledigen wir unsere morgendliche Arbeit, den Rest unserer Heuspende verpacken wir in zwei schwarze Müllsäcke und Willi band die Säcke auf die Sättel von Legolas und Lanzelot. Sebastian der nach Aspern kommen wollte hat die Bahn nach Mistelbach versäumt. So beschlossen wir, uns am höchsten Punkt unserer Wanderung am Buschberg zu treffen. Dort angekommen teilte uns Sebastian mit, dass ein Wegweiser verdreht war und er einen größeren Umweg machen musste, also verabredeten wir uns in Ernstbrunn, wo er uns dann endlich traf. Bei einem Kaffee am Ortsplatz, dort konnten wir auch unsere Lamas anbinden, erzählte er uns von seiner Odyssee. Bis zu unserem heutigen  Etappenziel, einem Schweinezüchter mit einem Appartement hatten wir noch acht Kilometer zu gehen und wieder einmal kamen wir im Dunkeln an. Die Lamas bekamen einen Platz im Vorgarten, die Burschen waren ganz schön müde, denn sie legten sich sofort hin. Traudl und ich bekamen das Schlafzimmer, Willi und Sebastian begnügten sich mit zwei Notbetten. Das Abendbrot bestand aus Kartoffel mit Butter und Brot; Bier und Wein. Ein wenig plaudern und schon war es elf, höchste Zeit ins Bett zu gehen .

 

Wetzleinsdorf – Leitzersdorf; 20,1 Km - 390 HM

So um acht rum zogen wir weiter. Wie jeden Morgen räumten wir penibel das restliche Heu und den Lamakot weg und obwohl wir alles blitzsauber hinterließen zahlten wir pro Lama fünf Euro fürs übernachten im Freien. Bei Sonnenschein wanderten wir auf eine Anhöhe zu einer Wallfahrtskirche wo wir eine kleine Rast machten. Sebastian genoß die Wanderung und führte zwischendurch immer wieder Don Camillo oder Peppone. Vor einer Hütte am Michlberg machten wir Mittagspause. Die telefonische Quartiersuche erwies sich an diesem Tag als äußerst schwierig, da die Stadt Stockerau unser nächstes Etappenziel war. Wir verzweifelten fast, da wir nichts passendes fanden; „und immer wenn du glaubst es geht nicht mehr kommt irgendwo ein Lichtlein her“. In diesem Fall hieß das Lichtlein Christa, sie stand mit ihrem Schwager vor dem Gewächshaus ihres Biobauernhofes und sah interessiert unsere Wandergruppe mit Lamas an. Als ich fragte ob sie ein Quartier für uns und die Lamas wüsste, fragte sie nach kurzem Nachdenken ob wir große Ansprüche stellten, was ich natürlich verneinte. Die Lamas durften wir im Hof an Bäumen und Büschen anhängen und wir bekamen in der Sauna ein Bett und zwei Matratzen. Wir verabschiedeten uns von Sebastian der zurück nach Wien musste und noch vier  Kilometer bis Stockerau zur S-Bahn hatte. In einem nahegelegenen Gasthaus aßen wir gut zu Abend. Das Wirtshaus hatte das Motto „ ka Haub`n ka Huat a`fach Guad“. So gegen zehn lagen wir auf den Matratzen und ich hustete die halbe Nacht. Aber Traudl und Willi schliefen wie bewusstlos und hörten fast nichts.

 

Leitzersdorf – Absdorf; 30,1 Km - 130 HM

Mit Kaffee, Brot, Butter und selbstgemachte Marmelade verwöhnte uns Christa am Morgen. Da wir uns mit ihr und ihrem Mann Thomas so gut unterhielten, kamen wir erst gegen neun auf die Piste. Auf der Wanderung durch Stockerau erregten wir auch einiges Aufsehen und so war es kein Wunder, dass uns Christian von den NÖN ansprach und von uns mit unseren Tieren Fotos vor der Jakobskirche machen wollte. Gerade als wir unseren Weg fortsetzen wollten kam Christa, deren „Veggiebräu“ (ein vegetarisches Restaurant) gerade um die Ecke liegt vorbei. Wir schauten uns ihr schönes und gemütliches Restaurant an und wurden natürlich noch auf ein Getränk eingeladen. Traudl telefonierte wegen dem Quartier für die Nacht und wurde in Absdorf fündig. Die Privatzimmervermieterin mussten wir erst überzeugen, dass Lamas in ihrem Garten ohne Probleme übernachten können, trotzdem glaubte sie der Callboy von Ö3 sei am Telefon. Bald waren wir wieder unterwegs, denn wir mussten an diesen Tag über 30 Kilometer gehen. Es ging durch eine relativ unspektakuläre Gegend. Bei totaler Dunkelheit kamen wir in Absdorf, einem schön gepflegten Ort an. Unsere Vermieterin war froh als sie sah wie unkompliziert unsere Lamas sind und mit dem mitgebrachten Heu versorgt wurden. Wir bezogen schöne Zimmer und danach fuhr uns der Sohn des Hauses zum Heurigen. Nach zwei Fläschchen und einem Wurstsalat gingen wir zu unserem Quartier. Die vier Lamas schliefen und rührten sich nicht viel als wir nach ihnen schauten. Auch wir verzogen uns in unsere Betten.

 

Absdorf – Walkerdorf; 28,9 Km - 190 HM

So skeptisch wie die Zimmervermieterin am Vortag war so erfreut war sie am Morgen. Nach dem wir ausgiebig gefrühstückt hatten beluden wir unsere Lamas? Ihr Enkelkinder und Nachbarn mit deren Kinder beobachteten uns. Bald machten wir uns auf unsere vorletzte Etappe, die uns bald in eine wunderschöne Kellergasse führte. Damit die Kilometer nicht zu wenig wurden, machten wir auch gleich einen ungewollten Umweg. Irgendwann waren wir dann doch wieder in der Spur und so ging's über Wiesen, Felder und Weingärten zu unserem nächsten Ziel einer schönen Frühstückspension, die unser Weinhändler Franz Etz für uns ausgesucht hatte. Das Wetter hielt auch durch, es war zwar bewölkt aber wenigstens es regnete nicht. In jeder Ortschaft durch die wir kamen, begegneten uns Kinder die mit ihrer Karfreitagsratschen unterwegs waren. In Kirchberg am Wagram mussten wir uns für ein Foto vor einem Blumengeschäft positionieren und bekamen dafür drei Osterhasen aus Keksteig geschenkt. Wir schafften es vor Einbruch der Dunkelheit anzukommen und fanden eine herrliche Wiese mit Obstbäumen vor, so konnten wir unsere Lamas mit langer Leine anhängen und das letzte mitgebrachte Heu verfüttern. Wir machten uns frisch und gingen zu Franz Etz, der ein paar Häuser weiter seinen Firmensitz mit Wohnhaus hat. Sein Weingut ist 45 Hektar groß. Dort bekamen wir eine Führung durch die Firma, tranken nachher zu einer Käsejause ein paar Fläschchen, unterhielten uns gut und trennten uns mit dem Versprechen am Morgen noch einmal kurz vorbeizukommen, damit seine Enkel die Lamas sehen können.

 

Walkerdorf - Krems - Elixhausen 17,7 Km 110 HM

Den letzten Tag unserer Wanderung begannen wir mit einem fulminanten Frühstück und gingen dann zu Franz der schon mit seiner Familie wartete. Schon bald waren wir wieder unterwegs, dabei sahen wir dass Legolas hinten rechts nicht ganz sauber ging, da er sich aber nichts eingetreten hatte und es auch nicht schlimmer wurde hielten wir ihn nur unter Beobachtung. Das Wetter hielt sich gerade so, ein paarmal tröpfelte es aber wir kamen ohne Regenschutz aus. Als wir kurz vor Krems durch einen kleinen Ort wanderten glaubten wir, wir sehen richtig, aus einem Auto stieg eine als Osterhase verkleidete Frau. Sie wollte natürlich Fotos mit den Lamas und wir wollten natürlich Fotos mit dem Osterhasen und so stellten wir uns in einen Obstgarten und knipsten wild drauflos. Wieder einmal hatten wir uns um mindestens fünf Kilometer verschätzt und so zog sich der Weg bis nach Krems. Auf einer Anhöhe, auf der wir entlang wanderten sahen wir dann das Ziel unserer Wanderung. Beim Auto angekommen hängten wir unsere Lamas an einem überdachten Fahrradabstellplatz an und Traudl richtete sich so gut es ging mit Klappstuhl und Schlafsack als Decke ein.

Willi und ich machten sich mit unserem Auto auf den Weg zum Ausgangspunkt des Weinviertel Jakobsweges, Drasenhofen. Auf dem Weg zurück konnten wir noch einmal die ganze Wanderung Revue passieren lassen. Willi und ich fuhren dann im Konvoi zurück nach Krems wo uns Traudl erwartete. Sie wurde von vielen Menschen angesprochen, sogar die Polizei kam vorbei und sah nach dem Rechten. Den Vogel schoß eine Frau ab die so begeistert war, dass sie Traudl zehn Euro zusteckte. Wir brachten die vier Lamas im Anhänger unter und machten uns auf den Heimweg.

Wieder einmal eine sehr gelungene Wanderung.

 

Gehen ist des Menschen beste Medizin

(Hippocrates, 460 v.Chr. - 375 v.Chr.)

 

                        

Die Landschaft erobert man mit den Schuhsohlen,

nicht mit den Autoreifen.

Georges Duhamel Humanist (1884 -1966)

oder mit den Radreifen.

(Traudl & Eugen)

 

 

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,

den schickt er in die weite Welt;

Dem will er seine Wunder weisen,

in Berg und Wald und Strom und Feld.



Die Trägen, die zu Hause liegen, Erquicket nicht das Morgenrot,


sie wissen nur von Kinderwiegen,

von Sorgen, Last und Not um Brot.



Die Bächlein von den Bergen springen,


die Lerchen schwirren hoch vor Lust,

was soll ich nicht mit ihnen singen,

aus voller Kehl und frischer Brust?



Den lieben Gott laß ich nur walten;

der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld

und Erd und Himmel will erhalten,

hat auch meine Sach aufs best bestellt!

 

 

Der frohe Wandersmann

Joseph von Eichendorf  (1788-1857)

Alte Sprache, aber zeitgerechter Text.

 

 

Nur aufs Ziel sehen verdirbt die Lust am Reisen.

Friedrich Rückert (1788 - 1866)

 

 

Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

 

 

Last but no least:

Entspanne dich!  Lass das Steuer los!

Trudle durch die Welt, sie ist so schön.

Kurt Tucholsky