Via de la Plata

30. März - 14. Mai 2013

Cadiz - Sevilla - Merida - Salamanca - Zamora - Ourense - Santiago - Finisterre - Muxia

 

Pilgertagebuch

Málaga – Cádiz  Anreisetag

Unsere morgendliche Arbeit war, unser Auto das für uns lange Zeit Wohn- und Schlafzimmer war, aufzuräumen. Dazu fuhren wir auf eine Tankstelle in der Nähe, nachdem wir unser Auto der Einstellfirma übergaben ließen wir uns nach Málaga zum Bahnhof fahren. Im ersten Moment war es ohne Auto ein komisches Gefühl, zumal wir wussten, dass wir die nächsten sechs bis sieben Wochen kein Auto von innen sehen werden. Bald darauf kam unser Bus, mit dem wir nach Cádiz fuhren, dort angekommen machten wir den ersten und hoffentlich letzten Übernachtungsfehler unserer Tour.

Da wir zu faul zum Suchen waren, gingen wir in eine Art Jugendherberge. Den Wucherpreis von 48,00 Euro akzeptierten wir für ein 6-Bett Zimmer. In dieser Herberge war es nicht nur laut, es roch auch unangenehm und es war hell im Zimmer. Beim Abendspaziergang durch die Stadt sahen wir, dass es noch weitere Hotels gab, die bestimmt nicht teurer waren. Hier, wie auch in Málaga brach der kommunale Osterwahn aus, überdimensionale Madonnen- und Christusfiguren wurden mit musica morte und bedrohlichem Trommel zum Hauptportal der Kirche getragen, dem schaurigen Treiben wurde durch einen saftigen Regenguss Einhalt geboten. Wir kauften uns eine Pizza und verzogen uns in unsere versiffte Herberge.

 

Cádiz - Puerte Real, 1.Tag 27,5 km

Um 7 Uhr verließen wir die versiffte Herberge. Die Straßen waren noch vom nächtlichen Regen nass. Irgendwie war es schräg, im Morgengrauen unser Ziel jenseits der Bucht zu sehen und zu wissen, dass wir trotzdem noch  27 km vor und hatten. Gegen Mittag rieß der Himmel auf und so konnten wir bei herrlichem Wetter durch einen Naturpark wandern. Etwa um 3 Uhr nachmittags erreichten wir unser erstes Etappenziel und wurden von einem freundlichen Ehepaar zu einem inakzeptablen Hostal geführt.  Ein Taxifahrer brachte uns zu einem, der Route abseits gelegenem kleinen, netten Hotel, dort aßes wie noch eine Kleinigkeit und pflegten anschließend unsere kleinen Wunden. Wir wussten, dass es einige Tage braucht bis man eingegangen ist.

 

Puerto Real - Jerez, 2.Tag 30 km (57,5 km)

Das mit dem Frühzeitig aus den Federn kommen, funktionierte noch nicht so wie wir uns das vorgestellt hatten, dazu kam auch noch die Umstellung auf die Sommerzeit.  Um neun Uhr wanderten wir gleich mal in die falsche Richtung, weil die Gegend so schön war, verliefen wir uns dermaßen, dass wir auf der Autobahn landeten. Das Wetter tat sein übriges und hellte unsere Stimmung nicht auf, wenigstens blieben wir trocken. Das Mittagessen passten wir dem Wetter an und aßen unser Ostersonntagsmenü bei McDonald. Trockenen Fußes erreichten wir um halb sechs Jerez, eine an sich schöne Stadt, die aber mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat. Hätte nicht Tio Pepe ein bißchen Webung gemacht, wir wären nicht auf die Idee gekommen, dass wir uns in der Welthauptstadt des Cherry befinden. Der beste Beweis für den Niedergang der Stadt war, dass wir in einem wunderschönen, luxuriösen neuen Hotel, direkt im Zentrum der Stadt, um sage und schreibe 44 Euro übernachteten. Nach einem kurzen Bummel durch die Altstadt aßen wir mehr schlecht als recht zu Abend. Aus einer Kirche die wir uns anschauen wollten wurden wir regelrecht rausgeworfen, da der Pfarrer schließen wollte, also gingen wir in unser Hotel zurück und skypen noch mit Karin und Michael.

 

Jerez - El Cuervo, 3.Tag 29 km (86,5 km)

Kühle Luft und Sonnenschein begrüßten uns als wir das Hotel verliesen. Kurz hinter Jerez sahen wir die ersten Weinberge auf deren Hügel die Cherrybarone residierten. Mit der mitgenommen Beschreibung der Route Cádiz - Sevilla kamen wir einfach nicht zurecht, auch die Markierungen waren äußerst schlecht, da dieser Weg noch nicht als offizieller Jakobsweg ausgewiesen ist. Letztenendes entfernten wir uns soweit von der geplanten Route, dass wir uns wieder auf der Autobahn fanden und den Rest des Weges am Rande einer Bundesstraße gingen. Zu all unserem Glück, mussten wir uns noch von zwei Polizisten belehren lassen, dass man an dieser Straße nicht gehen darf. Für 30 Euro übernachteten wir in einem Hostal, nicht aufregend aber sehr sauber. Das Abendessen zu bestellen war schwierig, da der Ober anscheinend nur seinen eigenen Dialekt verstand. Das Essen war in Ordnung, aber der Wein war schlichtweg eine Katastrophe, was solls, wir machen ja keine kulinarische Reise.

 

El Cuervo - Las Cabezas, 4.Tag 26 km (112,5 km)

Schön langsam klappt es mit dem früh Aufstehen, einen schnellen Kaffee und wir hatten unseren Hintern schon aus der Tür. Wir gingen nicht den beschriebenen Weg, sondern suchten unseren eigenen, der heute autobahnfrei war. Da wir keinen geeigneter Platz zum rasten fanden, knallten wir die Kilometer mit einer kurzen Pause in einem Zug durch. Weil die Orangen genau so gut wie in Marokko schmeckten, aßen wir mengenweise diese saftigen, süßen Früchte, ich schleppte sie kiloweise in seinem Rucksack mit. Bei der Quartierwahl hatten wir großes Glück, um 40,00 Euro bekamen wir ein tolles, neues Appartement mit Waschmaschine. Wir füllten diese, kauften für den Abend ein und besichtigten das anmutige Städtchen. Obwohl es in ganz Spanien regnet und wir im Fernsehen eine Katastrophenmeldung nach der anderen sahen, freuen wir uns über den sonnigen Tag, der auch für uns die nächsten Tage der Letzte sein sollte.

 

Las Cabezas - Los Palacios, 5.Tag 27 km (139,5 km)

Traudl hatte für den heutigen Tag eine eigene Route gewählt und so waren wir relativ früh mit einer Stirnlampe bewaffnet unterwegs. Das Morgenrot versprach nichts Gutes. Wir hatten unendliche lange Geraden ohne optische Anhaltspunkte zu bewältigen, auf unbefestigten Boden kein Problem, aber auf Asphalt unheimlich zäh. Da gibt es nur eins, Hirn auf Durchzug und durch. Kurz vor Los Palacios unserm optionalen Ziel erwischte uns der Regen. Bei einem reichlichen Mittagessen beschlossen wir in diesem Ort zu bleiben und quartierten uns um 55,00 Euro im Feinsten Haus am Platz ein. Da wir auch heute nicht essen gehen wollen, kauften wir im Supermarkt ein und dinnierten in unserem Zimmer.

 

Los Palacios - Sevilla, 6.Tag 29,5 km (169 km)

Mit vollem Datendrang und weil es noch dunkel war, mit Stirnlampe bewaffnet wollten wir das Hotel um 7:15 Uhr verlassen, ein saftiger Regenguss zwang uns jedoch ins Hotel zurück zukehren und noch einen Kaffee zu trinken, um 8:00 Uhr war der Regen vorbei und wir konnten endlich losgehen. Auf unserem Weg nach Sevilla mussten wir noch einmal kurz unsere Pelerine anziehen. Bei Sonnenschein erreichten wir unser Quartier auf kürzestem Weg und wunderten uns, wie leicht das Hotel zu finden war. Da unser Hotel sehr zentral lag, hatten wir Gelegenheit auf dem Weg in die Innenstadt die prächtigen Bauten zu bewundern. Sevilla zeigte sich wettermäßig von der launigen Seite, zwischen Regen und Sonnenschein schauten wir uns die Stadt an. Da die Kathedrale geschlossen war, bekamen wir leider keinen Stempel, ich werte dies als ein Zeichen der Arroganz der ortsansäßigen Kirche, weil in Sevilla die "Via de La Plata" beginnt.  Das phantastische an dieser Stadt ist, auf den Dächern  der wertvollsten Häuser, Kirchen oder Botschaften wächst Gras mit gelben Blüten, warum das nicht entfernt wird ist mir ein Rätsel. Auch zum Thema Temperatur, die Leute gehen bei 20 Grad plus mit Stiefel und Steppjacke, mag sein, dass es daran liegt, dass Sevilla die heißeste Stadt Spaniens ist. Wie ich in letzter Zeit des Öfteren beobachtet habe, haben die örtlichen Pfarren wenig Interesse am Pilgerwesen, den anders kann ich es mir nicht erklären, denn nicht einmal in Jakobskirchen sind Stempel. Und wie immer, wenn das Spirituelle vernachlässigt wird, bekommt das Leibliche einen hohen Stellenwert, wir aßen und tranken hervorragend bei einem Italiener und freuten uns diebisch, dass man beim Pilgern den Führerschein nicht verlieren kan, dann machten uns auf ins Hotelzimmer. Wir kamen prompt in einen Platzregen, der uns zu einem Abstecher in eine Bar zwang, in der Flamenco gespielt und gesungen wurde.

 

Sevilla - Torre de la Reina, 7.Tag 23 km (192 km)

Heut beginnt die eigentliche Via de La Plata, alles vorher war Fleißaufgabe. Traudl hatte in den letzten Tagen einige Probleme mit ganz kleinen Blasen an den Zehen. Da ich alles größer haben muss, bekam ich an der rechten Ferse eine saftige Blase, die ich mit Blasenpflaster  versorgte. Am Morgen ließen wir es langsam angehen und gingen erst gegen 11 Uhr in Sevilla weg. Ein tolles Gefühl, an jeder Ecke ein gelber Pfeil der uns den Weg weist. Um 13:00 Uhr  gab es noch einmal ein kräftiges Gewitter, hoffentlich das Letzte für die nächsten Tage. Auf ziemlich schlammigen Wegen erreichten wir unser heutiges Ziel, ein schönes Hotel um € 37,50. Eine tolle Bescherung hatte ich, als ich die Socken auszog, unter dem Pflaster bildete sich eine neue Blase. Traudl verarztete mich nach Julias telefonischer Anweisung. Beim einem Skype Meeting mit Felix und JuLee bekamen wir noch weiter optische Anweisungen. Eine Pizza und eine Flasche Wein rundeten den Tag ab.

 

Torre de la Reina - Castilblanco, 8.Tag 21 km (213 km)

Traudl machte aus meiner Ferse ein medizinisches Kunstwerk, sie wurde rundum getaped und beim gehen stellte sich heraus, dass die Blase keine Probleme mehr machte. Relativ schnell kamen wir auf den "richtigen" Camino, die Pilger wurden immer mehr. Ein kleines Frühstück in einer Bar und wir waren wieder auf der Spur. Mit jedem Schritt machte es sich bemerkbar, dass wir den improvisierten wieder Weg verlassen hatten, anständige Markierungen und eine wunderschöne Landschaft rundeten das neue Bild ab. Am Ort angekommen erfuhren wir das die Herberge schon voll war, ein rühriger Wirt vermittelte uns ein wunderschönes Privatzimmer. Nach einem Spaziergang durch den Ort aßen wir zu Abend und lernten Helga und Elsa aus Oberösterreich kennen. Relativ früh verzogen wir uns ins Bett.

 

Castilblanco - Almaden, 9.Tag 29,5 km (242,5 km)

Zwei Holländerinnen, mit denen wir uns das Badezimmer teilten, belegten es ziemlich lang,   daher war es schon hell bis wir auf den Weg kamen. Die ersten zwölf Kilometer führte der Jakobsweg der Straße entlang und führte dann durch einen wunderschönen Park. Immer wieder staunten wir wie vielseitig und schön die Landschaft war, wir sahen Mengen von Korkeichen und da das Wetter auch mitspielte war es ein wunderbarer Marsch durch dieses Naturschutzgebiet. Wir bekamen noch einen Platz in der örtlichen Herberge und gingen mit Elsa und Helga auf ein Pilgermenü. Beim Gespräch mit anderen Pilgern wurden wir wieder hellhörig, denn viele Pilger fahren Taxi oder Bus, dass war 2010 auf dem französischen Weg auch schon so. Wir fragen uns immer, wo Menschen die Taxi fahren die Motivation her nehmen, den Weg wieder zu Fuß fortzusetzen. Obwohl die Herberge bis auf den letzten Platz belegt aber, schliefen wir trotzdem recht gut. Was wir noch nicht wussten, einige Gesichter werden wir noch sehr oft sehen und mit einigen werden wir uns anfreunden.

 

Almaden - Monesterio, 10.Tag 36 km (278,5 km)

Ursprünglich freuten wir uns über eine kurze Etappe. Ein kleines Frühstück in der Bar und schon waren wir wieder unterwegs. Es war gerade 11:00 Uhr als wir nach 14 km an unserem Ziel ankamen. Eine nicht unbedingt vertrauenserweckende Herberge und ein trüber Himmel genügten, um uns zum weitergehen zu überzeugen. Wir kauften Proviant, durchquerten eine Furt an der Grenze zur Extrementura, an der mir zwei freundliche Franzosen halfen, da ich auf einem Bein durch diese Furt hüpfte, weil ich noch kein Wasser an meine Ferse lassen wollt.  Nach weiteren 20 km erreichten wir nach einem langen Aufstieg unser relativ hässliches Tagesziel. An allen Ecken wurde für spanischen Schinken Werbung gemacht. Das beste an diesem Tag war das wir Werner aus Linz und Margitta aus Bad Gestein in die Hände liefen. Das Zimmer war genauso hässlich und kalt wie es billig war und wir hatten auch mit dem Abendessen nicht viel Glück. Das nennt man dann ein perfektes Gesamtbild.

 

Monesterio - Fuente de Cantos, 11.Tag 21 km (299,5 km)

In der Morgendämmerung zogen wir los und frühstückten in einer Bar, herein kamen die beiden Franzosen die uns am Vortag an der  Grenze zur Extrementura beim Furten geholfen hatten. Nach drei Stunden wandern mußten wir wegen der nächsten Furt schon wieder aus den Schuhen. Hier hätte man einen Film drehen können, jeder der ankam schaute zuerst flussauf-, dann flussabwärts um dem Furten zu entgehen. Hier sahen wir  erstmals Ben, einen 70 jährigen Kanadier mit seiner Freundin. Werner und Margitta waren die einzigen die die Furt mit Schuhen und trockenen Fußes überquerten. Anschließend gingen wir mit den Beiden bis ins nächste Dorf. Bei trübem und niesligem Wetter erreichten wir unser Ziel. In einer schönen Herberge bekamen unsere Begleiter das letzte Einzelzimmer, wir blieben im Schlafsaal. In der nächsten Kneipe bestellten wir unser Pilgermenü; Vor-, Haupt- und Nachspeise, Brot, Wasser und eine Flasche Wein, das alles 10 € .

 

Fuente de Cantos - Zafra, 12.Tag  30 Km ( 330,8 Km )

Nach einem armseligen Früstück, Kekse mit Blümchenwasser, gings weiter. Übrigens, am Vortag haben wir einen ganz speziellen Vogel getroffen, ein Spanier der in der amerikanischen Armee gedient hat und jetzt den Jakobsweg  mit Cowboyhut, amerikanischer Flagge und hohen Gamaschen geht, von ihm werden wir noch mehr hören. Mutterseelenallein wanderten wir zügig, da der klassische Jakobsweg überschwemmt war, auf der Hauptstraße. Unsere zwei Franzosen machten eine Fleisaufgabe, da sie sich verlaufen hatten mußten sie ein paar Kilometer mehr gehen. Etwa um drei liefen wir in Zafra, einer heruntergekommenen Stadt, ein. Eine im Führer angegebene, restlos vergammelte Herberge haben wir uns nicht einmal angeschaut, wir übernachteten im Konvent vom Feinsten, rießige Sechsbettimmer mit feinster Bettwäsche. Unser Freund Adriano mit Freundin Ursula aus Bolognia, den wir das erstemal in Castilblanco trafen war auch da. Wir beschlossen gemeinsam Spahgetti zu kochen, Wein zu trinken und unseren letzten gemeinsamen Abend, die Beiden fuhren aus zeitgründen mit dem Bus weiter, gemütlich zu verbringen. Trotz der Sprachbarriere, er sprach kein Wort deutsch oder englisch, wir kein italienisch, hatten wir sehr viel Spaß.

 

Zafra - Villafranca, 13.Tag 21,5 km (352,3 km)

Früh morgens machten wir uns nach einem kleinen Frühstück auf den Weg. Unterwegs trafen wir wieder die zwei Schwestern aus Linz, die aber nicht den ganzen Weg gehen, sondern nur einzelne Etappen gingen. Der Weg selbst war im Großen und Ganzen recht unspektakulär und weil die Strecke recht kurz war, liefen wir schon um zwölf in Villafranca ein und fanden  die empfohlene Herberge auf Anhieb. Volltreffer, hier war es perfekt wir machten Quartier, sahen auch die kleine Spanierin, die den Weg mit dem Fahrrad fuhr und in fast allen Herbergen anzutreffen war, sowie den großen jungen Spanier bei dem man sich wunderte, dass soviele Blasen auf nur zwei Füßen Platz fanden. Kurz darauf trudelten Werner und Margitta ein und belegten in unserem Zimmer das andere Stockbett. Als wir später durch die Stadt bummelten trafen wir die Beiden, süffelten mit ihnen durch die Stadt und kauften für das Abendessen ein. Wir machten in der Herberge Spargelomlett mit Salat und Werner besorgte den Wein.

 

Villafranca - Torremega, 14.Tag 28,5 km (380,8 km

Frühstück gab es noch in der Herberge "Casa Irene" und dann machten uns mit Werner und Margitta auf den Weg. In der nächsten Bar kaufte Margitta noch schnell ein Bocadillo, so kam ich noch zu einem Kaffee. Bei strahlendem Sonnenschein gingen wir durch scheinbar unendlich weite Weinplantagen, bei denen die Reben nahe am Boden wuchsen. Abseits des Jakobswegs liegt Almentraleo, das reichste Städtchen der Extrementura, das wir aber links liegen ließen. Bei der Abzweigung in den Ort machten wir erstmals Pause und stärkten uns etwas.  Hier trafen wir ein bezauberndes holländisches Pärchen, Ben und Pauline, die Beiden hatten die Angewohnheit etwas später anzukommen, dafür aber am Wegesrand ein Päuschen einzulegen. Beide waren um die siebzig und sagten sie seien eine späte Liebe, auch Marina gesellte sich zu uns, eine zu diesem Zeitpunkt stocksteife Norddeutsche, die in Santiago, wo wir sie wieder trafen total locker war, hieran sieht man wie der Jakobsweg Menschen verändert. Quartier machten wir in einer schönen Herberge, in der auch schon Camillo, ein kleiner Italiener der nur seine Muttersprache beherrschte, und mit dem wir uns daher kaum unterhalten konnten, war. Die der Herberge gegenüber liegende Kirche war wie so oft in Spanien geschlossen. Da es im Lokal nur kleine Tische gab, setzt sich fast jeder Pilger beim Abendessen an einen eigenen Tisch, Werner und ich machten dem Spuk ein Ende und schoben die Tische zu einer lange Tafel zusammen, keiner hatte was dagegen, im Gegenteil es wurde ein lustiger Abend.

 

Torremegia - Merida, 15.Tag 16 km (396,8 km)

Nichts hatte in Torremegia zur Morgenstunde offen und auch unterwegs gab es nichts, deshalb erreichten wir schon vor Mittag die Stadt Merida. Da wir nur etwas Proviant hatten, war der Hunger schon sehr groß und so zog es uns ins nächste Lokal. Am Stadtplatz traf sich die ganze Mischpoke wieder, die zwei Holländerinnen, von denen die jüngere ein lautes Organ hatte und kein Wort Deutsch konnte, Ben aus Kanada für dessen Freundin hier Endstation war, da das Knie nicht mehr mitmachte, ebenso für Inge die einen mörderischen Husten hatte, sie wollte mit dem Bus zur nächsten Station fahren. Das Schönwetter hielt an und so konnten wir die Ausgrabungen und das imposante Amphitheater bei bestem Wetter besichtigen. Heute leisteten wir uns ein Hotel. Unsere Begleiter wollten den nächsten Tag, da es eine lange Eteppe war, ohne Rucksack gehen und so organisierten wir ein Taxi, dass uns die Rucksäcke zum nächsten Ziel brachte. Weil der Abend sehr lau war flanierten wir durch die Stadt.

 

Merida -Alcuescar, 16.Tag 37 km (433,8 km)

Heute haben wir einen langen Weg vor uns und so brachen wir schon im Dunkeln auf . Es war schwierig die Markierungen zuerkennen und prompt verliefen wir uns. Kurz vor Sonnenaufgang machten wir tolle Bilder vom römischen Aquädukt. Die Länge der Tagesetappe wurde wettgemacht von der Schönheit der Natur. Auf halber Strecke aßen wir zu Mittag und setzten dann unseren Weg gestärkt fort. Junge Leute die die mit einem Holzspies bewaffnet waren und neben dem eingezäunten Weg gingen waren auf Trüffelsuche, sie zeigten uns ihren Fund. Auch die längste Tour geht einmal zu Ende und ohne Rucksack geht's leichter. Im Kloster in dem wir übernachteten war ein großen Schlafs mit 40 Betten. Sowohl die Übernachtung wie auch das Abendessen waren unentgeltlich, „freie Spende“ war das Credo, lediglich den Abwasch nach dem Abendessen war zu erledigen, diesen Part übernahmen ganz professionell Resi und Christl, zwei Steirerinnen die wir in den letzten Tagen immer wieder einmal trafen. Um 21 Uhr war Bettruhe, sehr skurril, denn draußen war es noch hell und 30 Erwachsene liegen flüsternd im Bett. Inge die immer alles besser wusste und auch sonst ein Ungustl war, bellte die ganze Nacht wie ein Schloßhund. Es war ihr letzter Tag auf der Via De la Plata, sie gab wegen schwerer Bronchitis auf. Im Nebengebäude war eine Art Behindertenheim für mittellose, ältere Menschen.

 

Alcuescar - Valdesalor, 17.Tag 26 km (459,8 km)

Um siebten frühstückten wir in einer Bar und freuten uns über die aufgehende Sonne, denn morgens war es immer ziemlich frisch. Durch einen Hein von Korkeichen, Zistrosen und einer immer schöner werdenden Landschaft wanderten wir unserem Etappenziel entgegen. Mitten in der Prärie, vor einem Puff warteten wir auf Werner und Margitta, da die Beiden einen anderen Weg genommen hatten, trafen wir uns erst am Abend. In einem kleinen Lebensmittelladen versorgten wir uns mit etwas Proviant. Am Ziel angekommen gingen wir in die kommunale Herberge, da das andere Quartier Mondpreise hatte. Resi und Christl waren auch schon da und meine Bewunderung für Resi stieg von Tag zu Tag, denn sie hatte schlechte Füße und viele Blasen, sodass sie meistens mit Sandalen ging. Als Margitta und Werner um die Kurve gingen, übersah Magitta eine Unebenheit, stolperte und fiel voll aufs Gesicht. Gott sei Dank hatte sie außer ein paar Abschürfungen, Hämatomen die später in allen Farben schimmerten und einer kaputten Brille keine weiteren Verletzungen. Ein Lokal zum Essen fanden wir keines, immer wieder wundere ich mich über manche Spanier die das Geschenk Jakobsweg noch nicht erkannten. Mit Wäsche waschen, einer kalte Jause zum Abendessen und einem  Glas Wein ließen wir den Tag ausklingen. Beim Einschlafen konnte ich die Sonne untergehen sehen.

 

Valdesalor - Casar, 18.Tag 22 km (481,8 km)

Wenn wir gewusst hätten, was uns am Abend für ein Drecksloch erwartet, wir hätten uns den Weg anders eingeteilt. Wir starteten erst um acht, vormittags machten wir in Cacieres einer wunderschönen mittelalterlichen Stadt am Plaza de Major Rast. Wir schlenderten noch ein bischen durch den zauberhaften Ort und machten uns dann wieder auf den Weg. Auf dem Weg nach Cäsar riss wieder ein Riemen von Werners Rucksack, den er nun zum x-mal zu reparieren versuchte, er schimpfte auf die schlechte chinesische Qualität, denn den Rucksack hat er sich in Nepal gekauft. Gegen13 Uhr kamen wir in Cäsar an und bekamen erst mal nichts zu essen, der Wein schmeckte so wie die Herberge aussah, schlicht und einfach scheußlich. Die Herberge selbst war unbeschreiblich, die Betten glichen Hängematten, sie standen total eng beieinander und wenn nachts jemand auf die Toilette ging, wurde der halbe Saal munter, da die Lüftung einen Mordsradau machte. In der sogenannten Küche richteten wir uns (mit uns meine ich für die nächste Zeit, Margitta, Werner, Traudl und mich) ein kaltes Abendmahl. In einem Geschäft kauften wir 1 ½ Liter Wein um 1,50 €, gekühlt schmeckte gar nicht mal so schlecht, der war besser als in so manchem Lokal.

 

Casas - Canaval, 19.Tag 34 km (515,8 km )

Trotz der miserablen Herberge oder gerade deshalb waren sich alle einig um 5:30 aufzustehen. Die ersten 45 Minuten mussten wir noch mit der Stirnlampe gehen. Es kamen uns große streunende Hunde entgegen, die Gott sei Dank mehr Angst vor uns, als wir vor ihnen hatten. Werner hieß mich bald die Lampe auszuschalten, er hate recht, es war ein wunderschönes Gefühl in die Morgendämmerung zu wandern. In den Talmulden waren Nebelfelder und wurden von der aufgehenden Sonne beleuchtet und wir bekamen unbeschreiblich schöne Eindrücke. Durch eine abwechslungsreiche Landschaft führte der Weg zwischen riesigen Findelsteinen über eine almähnliche Landschaft zu einer neuen, modernen Herberge die an einem Stausee lag, hier konnte ich mein Schlafdefizit nachholen und meine Rückenschmerzen auskurieren. Ich hatte auf diesem Weg des öfteren starke Rückenschmerzen und wusste nicht woher. Der letzte Abschnitt stand dem ersten nicht viel nach, durch ein Meer von Zistrosen erreichten wir nach einem Anstieg unser Ziel. Da es im Ort keine Herberge gab, übernachteten wir in einer Pension, die in einem 500-Jahren alten Haus war. Da es wettermäßig schon ganz schön warm war, machten wir wieder große Wäsche und schlenderten abends noch ein bischen durch den Ort.

 

Canaval - Galisteo, 20.Tag 31km (545,8 km)

Um 7:15 verließen wir die Casa Rural und es war schon so hell, dass wir ohne Stirnlampe die Markierungen fanden, in der ersten offenen Bar tranken wir Café und dazu aßen wir erstmals die spanische Spezialität Churros, das sind frittierte Teigstangen. Durch eine atemberaubend schöne Landschaft, mit einer Vielfalt an Pflanzen (Korkeichen, Zistrosen und Ginster) ging es durch eine hügelige Landschaft, vorbei an Viehweiden bis nach Riolobos. Durch Zufall stolperten wir in eine Bar in der wir wie in einem Hauben Restaurant aßen. Man brauchte nur den Empfehlungen des Wirtes zu folgen (obwohl man kein Wort verstand) und schon bekam man die besten Sachen auf den Tisch. Gestärkt machten wir uns auf die letzten 10 km, die wir leider auf der Straße zurück legen mussten, da der Camino eine neue Route vorgab. Für 30,00 Euro übernachten wir in einem schönen Hotel etwas außerhalb des Ortes. Gute Nacht Drinks gab es zur Genüge. Dort begegnete uns auch wieder der spanische Amerikaner mit Flagge, im Anhang einen Spanier und eine jüngere Deutsche mit einigen Blasen an den Füßen , der Traudl die Ferse so gut wie mir verband. Ein schöner warmer Abend, auf der Hotelterasse genossen wir ein Gläschen Wein und dazu Tapas.

 

Galisteo - Oliva, 21.Tag 30 Km (576,8 Km)

In der Morgendämmerung brachen wir nach Oliva auf und konnten noch die riesige Stadtmauer von Calisteo bewundern. Wir wanderten durch eine wunderschöne Landschaft, die bedingt durch die Jahreszeit und des traumhaften Wetters schon beinahe kitschig war. Wieder begleitete uns über weite Strecken ein Meer von Zistrosen, Ginster und Korkeichen. Als wir ein Päuschen machten und einen Riegel aßen, staunten wir nicht schlecht, Henner und Traute, die wir erstmals in Castellblanco, am zweiten Tag nach Sevilla trafen, saßen in einem Bushäuschen und jausneten. Im nächsten Ort kauften wir uns ein zweites Frühstück. So gestärkt machten wir uns auf die Socken zu unserem heutigen Etappenziel. Gott sei Dank hatte Margitta reservieren lassen, da auf diesen kleinen Ort ein richtiger Ansturm war. In einer Gasse auf ein par Stühlen vor der Bar aßen wir einige Bocadillos und liesen uns die letzten Sonnenstrahlen auf den Bauch scheinen. Nach einigen Absackern gingen wir ins Bett.

 

Oliva - Aldeanueva, 22.Tag 28 Km (604,8 Km)

Nach einem windigen Frühstück, das mehr Alibi-Charakter hatte um höhere Herbergspreise zu bekommen, ging's raus in die Kälte. Wir befanden uns nun mitten in der Extrementura. Bei Sonnenaufgand hatte es gerade einmal 3 Grad +. Unser Weg führte durch eine riesige Dehesa, an der links und rechts des Weges schwere, weiß gestrichene Zäune das ausbrechen der hier massenhaft gezüchteten Stiere verhindern. Hier werden nahezu alle Kampfstiere, die in den spanischen Arenen kämpfen gezüchtet werden. Bis zu ihrem 4. Lebensjahr führen sie hier ein paradiesisches Leben. Die Sonne wärmte unsere Glieder, denn inzwischen hatte es schon um die 20 Grad. In einer schon seit Tagen wunderschönen Landschaft mußten wir wieder einmal furten und kamen dann zu dem Triumpfbogen „Arco Romano de Caparra“ einer römischen Ausgrabung. Schön durchgeschwitzt, weil wir wieder einige Kilometer an der Straße gehen mussten, kamen wir ans Ziel. Das Geld das hier für den Camino eingespart wurde, wurde in diesem Ort in einer wahren Straßenlampenorgie ausgegeben. Am Stadtplatz traf sich wieder einmal alle, denen wir in den letzten Tagen über den Weg liefen. Wir machten in einer neuen Herberge mit feiner Bettwäsche Quartier. Zum Abendessen gingen wir in ein Gasthaus wo Rentner gut und günstig essen können, auch Pilger werden resolut aber freundlich von der urigen Wirtin bedient. Da es kein Pilgermenü ohne Wein gibt, hatten wir auch heute wieder die nötige Bettschwere.

 

Aldeanueva - Calzada de Bejar, 23.Tag 23,5 Km (628,3 Km)

Nach einem langweiligen Hatsch auf der Bundesstraße, frühstückten wir in einem Kurort namens Banos de Monte Major und stiegen anschließend auf einer alten Römerstraße zum höchsten Punkt des Tages, auf über achthundert Meter auf, hier ist auch die Grenze der Extrementura nach Kastilien. Die Herberge in dem verschlafenen Bergdörfchen war sauber und robust. Mit Werner zogen wir in die einzige Bar am Ort, den Preisen nach nützte der Wirt seine Chance. Es fing ganz langsam mit einer Flasche Wein an, mit der Zeit kamen Ben aus Kanada, Ben und Pauline aus Holland, Rene unser Bürgermeister aus dem Elsass, Heiner und Traute auch genannt Wuzileins, den Namen hat ihnen Rene verpasst, Margitta, die beiden Franzosen, Camillo und noch einige andere Pilger, es wurden Tische und Stühle zusammengestellt und jeder kaufte mindestens eine Flasche Wein. Die Sonne tat das Ihrige und als es Zeit zum Abendessen war, das es in der Herberge gab, waren wir alle ganz schön breit. Margitta war not amused. Dieses mal schliefen wir beide im unteren Bett, da mir das obere Bett wie ein Adlerhorst erschien.

 

Calzada de Bejar - Funterroble, 24.Tag 21 Km ( 649,3 Km )

Ein schwerer Kopf und ein dummer Herbergsvater, das ist zuviel! Einmal im Leben trinkt Traudl drei Tassen Kaffe schon wird ihr die dritte verweigert.  ( Blümchenwasser aus der Thermoskanne ) Nach aggressivem Meinungsaustausch trank Traudl die dritte Tasse und wir machten uns im frühen Morgenlicht auf den Weg. In einer Bar mit Rockmusik machten wir Rast und nahmen ein zweites Frühstück. Nach einer unspektakulären Strecke erreichten wir eine Herberge die von einem Pfarrer geführt wird, sie wirkte heimelig und urig, außerdem bekamen Ehepaare ein eigenes Zimmer. Wir machten mittags eine kleine Brotzeit, Traute kaufen fürs Abendessen bergeweise Spagetti ein, da sie  Geburtstag hatte und wir beschlossen gemeinsam zu kochen und machen uns an die Arbeit. In letzter Zeit unterhielten wir uns öfter mit einem lustigen Trio, einer Grafikstudentin, die auch gerne mit dem Bus fuhr, einer etwa 40 jährigen, die in der ultralinken Szene in Berlin wohnte und den Sommer über als Sennerin in der Schweiz verbrachte und Stefan ein Sachse der alles und nichts studierte, alle drei schliefen meist aus Geldmangel im Zelt. Beim Kochen half Stefan mit und wir staunten wie effizient und flink er zur Sache ging. Ein wohlbeleibter Gehilfe des Pfarrers ging uns beim Spaghetti und Sugo kochen zur Hand. Irgend wann war das Geburtstagsessen von Traute fertig und da wir viel zu viel Nudeln gekocht hatten, konnten nahezu die ganze Herberge verköstigt werden. Traudl und ich gingen heute früh zu Bett, der Vortag hing uns noch nach.

 

Fuenterroble - Morille, 25.Tag Km 32 Km (681,3 Km)

Wir frühstückten ausgiebig und zogen kurz nach Sonnenaufgang los. Nun begann ein langer Aufstig auf über 1100 Meter. Wir marschierten an einer riesigen Kette von Windrädern, die über den ganzen Höhenrücken verstreut waren, vorbei. Beim Abstig machten wir Brotzeit mit den Wuzileins, Rene und den drei aus dem Zelt.  Gegen 15 Uhr erreichten wir uns Tagesziel, die Herberge war ok, dass es kein warmes Wasser gab war nicht weiter störend. Erst um 8 Uhr abends bekamen wir unser Pilgermenü und das für 10 Euro und  Wein bis zum abwinken. Das Schönste am Abend war, wir saßen wieder alle an einer riesigen Tafel und hatten riesigen Spaß.

 

Morille - Salamanca, 26.Tag 19Km (700,3 Km)

Ohne Eile machten wir uns auf den Weg nach Salamanca. Um 9 Uhr 30 wollten wir in einem kleinen Ort ca. 10 Km vor unserem Ziel Pause machen. Es war der einzige Ort vor Salamanca, aber die Irren hatten es nicht nötig die Bar oder wenigstens das Lebensmittelgeschäft aufzusperren, soviel zur Wirtschaftskrise in Spanien. Von weitem schon sah man Salamanca, aber es kam nicht näher. Endlich angekommen gingen wir in die erste Bar neben der Kathedrale und warteten auf Margitta und Werner, direkt an der Kathetrale nahmen wir uns ein Zimmer, die Wirtin wusch uns die Wäsche und verschlampte leider meine abzippbaren Hosenbeine und meine Laufhose. Nachmittags schlenderten wir durch die Stadt, Margitta und Werner tranken am Placa Major ein Glas Wein und zahlten ein Vermögen. Werner kaufte sich einen neuen Rücksack, denn wir schon erwähnt löste sich seiner Stück für Stück auf. Ich ging noch zum Fußpfleger, da meine Nägel schon zu lang undauch schon eingewachsen waren. Nach einem Menü del Dia, machten wir uns noch auf die Suche nach guten Fotomotiven.

 

Salamanca - El Cubo de la Tierra, 27.Tag 39 Km (739,3 Km)

Da 39 km auch kein Pappenstiel sind starteten wir früh los. Werner und Margitta, die zu unseren ständigen Begleitern wurden haben sich entschlossen, den Tag über in Salamanca zu bleiben und am Nachmittag mit dem Bus nach El Cubo zu fahren. Die Strecke ging viel der Straße entlang, aber getreu unserem Motto "Weitwandern  besteht nicht nur aus Filetstücken", liesen wir uns die Laune nicht verderben. Am Weg trafen wir eine Gruppe älterer Spanier die wir noch öfter sehen sollten, sie saßen am Wegesrand und sahen schon ganz schön fertig aus, obwohl sie erst in Salamanca gestartet waren. Auch der längste Weg geht einmal zu Ende und so kamen wir nach längerem herumfragen zu dem Haus indem wir reserviert hatten, es wurde von jungen Leuten mit viel Elan die ausgesprochen freundlich und hilfsbereit waren geführt. Wir bekamen ein Schnapserl und die selbstgemachten Stamperl geschenkt. Beim am Abendessen trafen wir wieder den spanische Amerikaner und ein wohlbeleibtes Wiener Pärchen das uns den letzten Platz in der Sonne wegschnappte.

 

El Cubode la Tierra - Zamora, 28.Tag 32 Km (771,3 Km)

Nacheiner herzlichen Verabschiedung und einem nicht mehr so heißen Wetter zogen wir in einer Gruppe los. Die 39 km vom Vortag haben wir gut weggesteckt.  Durch weite Ebenen zogen sich pfeilgerade Wege. In einem kleinen Nest am Weg traf sich wieder die ganze Mischpoke zum zweiten Frühstück. Auf dem restlichen Weg wurde das Wetter immer schlechter und als wir in die Stadt Zamora kamen, die wir über eine alte Steinbrücke erreichten, hatten wir Glück den kaum angekommen begann es zu regnen.  Obwohl wir für diese Nacht ein Hotel reserviert hatten, schauten sichTraudl und Margitta eine am Weg liegende Herberge an, in der wir dann auch blieben. Nach diesem Gewitter nieder kühlte es noch einmal ab. Ich mußte mir, da ich keine lange Hose mehr hatte eine kaufen, zumal man für den nächsten Tag Schnee bis in den Tallagen ansagte. Gott sei Dank kam es dann doch nicht so schltimm. Beim Abendessen trafen wir den kleinen Camillo und Rene den Franzosen.

 

Zamora - Monta Marta, 29.Tag 19 Km (790,3 Km)

Das Nieseln das wir beim Weggehen hatten, hörte bald auf und so konnten wir die Regenkleidung ausziehen. Landschaftlich gab diese Etappe nicht viel her. Etwa auf der halben Strecke zog Werner auf und davon, ich glaubte er muß mal hinter den Busch. Tatsächlich ist er aber vorausgegangen um Proviant einzukaufen, da es Samstag war und in kleinen Orten die Lebensmittelgeschäfte mittags zusperren. Margitta und Werner waren immer sehr darauf bedacht, genügend Proviant dabeizuhaben, uns reichten genügend Müsliriegel. Unser heutiges Etappenziel war ein nichts sagender Ort mit einer geschlossenen oder nicht mehr vorhandenen Herberge, daher suchten wir uns ein Privatquartier.  Ursprünglich wollten Traudl und ich weiterziehen, da uns die Kurzetappen mit der Zeit zu wenig wurden und Margitta nicht mehr als 30 km gehen wollte. Nach dem Essen war ich aber so müde und fühlte mich auch nicht wohl, so dass ich mich niederlegen und den halben Nachmittag tief schlief, so habe ich eine Krankheit die im Anzug war war weggeschlafen.

 

Monta Marta - Granja de Moreruela, 30.Tag 26 Km (816,3 Km)

Am Morgen staunten wir nicht schlecht, in der Nacht hatte es gefroren und am Auto vor der Türe war Eis auf den Scheiben, es war aber strahlender Sonnenschein, somit konnte ich nach einer Stunde schon wieder im Hemd gehen. Anfangs liefen wir in die falsche Richtung, wir merkten es aber nach kurzer Zeit. Ein schöner Weg führte uns um einen prächtigen See und an einer verfallenen Burg vorbei. An einer Tankstelle machten wir Rast und kamen mit einer Tirolerin ins Gespräch. Granja, hier teilt sich der  Jakobsweg, eine Strecke geht über Astorga und die andere über Lubian. Die Herberge im Ort war ziemlich herunter gekommen und so mieteten wir ein Appartement mit zwei Schlafzimmer in einer Casa Rural. Die Inhaberinn war ein geldgieriges Luder, die wir auffordern mussten die Heizung einzuschalten. Während des Essen in der Bar schüttete es draußen in Strömen. Werner fröhnte wieder einmal seinem Hobby und räumte im Lokal auch die Nachbartische ab. Auch heute gingen wir wieder einmal früh schlafen.

 

Granja de Moreruela - Santa Groya, 31.Tag Km 48 (864,3 Km)

Dass dieser Tag anders als erwartet verlaufen würde, wussten wir am Morgen noch nicht. Da Margitta länger brauchte gingen wir vor. Wie schon erwähnt trennt sich hier der Weg, wir blieben auf  der Via de la Plata. Bei wolkigem Wetter gingen wir, in einer romantischen Landschaft, einem Fluß entlang und wurden bald von Margitta und Werner eingeholt. In einem kleinen Dorf machten wir Rast und mussten unsere Pelerinen anziehen da es zu nieseln anfing. In Tabara unserem ursprünglichen Ziel zogen wir uns noch Geld aus dem Bankomat und ich entschied, dass wir weitergehen, da ich mir nicht vorstellen konnte um 13:30 Uhr in diesem Nest eine Unterkunft zu suchen, zum Glück, denn wie wir später von Margitta erfuhren war die Pension ausgebucht und die Herberge grauslich. Da es etwas zu regnen anfing, fragte mich Traudl ob ich das ernst meine, mit dem Weitergehen.  Also zogen wir los, kurze Zeit später, wir waren gerade aus dem Ort, begann es fürchterlich zu regnen, der Wind kam von allen Seiten und wir waren in kürzester Zeit patsch nass. Die Schuhe waren um 10 cm höher und dementsprechend schwer, der Weg war restlos durchweicht und wir stapften durch eine Schlammwüste. Traudl war über meine Entscheidung weiterzugehen stocksauer.  Als der Regen weniger wurde und die nächste Ortschaft in Sicht kam, beruhigte auch Traudl sich wieder, dort angekommen konnten wir in einem Restaurant unsere Kleider trocknen. Ein Brandy, etwas Süßes und ein Espresso weckten unsere Lebensgeister so weit, daß wir ohne Probleme die letzten 10 km schafften. In Santa Groya war eine perfekt geführte Herberge, wir bezogen im Schlafsaal ein Stockbett und machten uns ohne zu Duschen über das Pilgermenü her, das an langen Tischen serviert wurde. Dort waren sie wieder alle, Rene, die Wuzileins,  Resi und Christl, die fünf alten Spanier, die beiden Franzosen, Camillo und wer weis sonst noch. Sehr guter vierzehneinhalbprozentiger Rotwein war in nahezu unbegrenzter Menge verfügbar. Nach dem Essen gingen wir ausgerüstet mit genügend Wein, in ein Zimmer mit offenem Kamin,  der auch zum Wäschetrocknen verwendet wurde. Dort saß Sebatian ein pensionierter Wiener Zigarrenhändler, der die Via de la Plata in Etappen machte und diesmal in Zamora eingestiegen ist. Wir verstanden uns auf Anhieb und plauschten bis spät in die Nacht, als der Wein zur Neige ging, verzogen auch wir uns als letzte ins Bett.

 

Santa Groya - Mombuey, 32.Tag 39 Km (903,3 Km)

Nach allgemeinem Aufbruch, machten wir nach drei Stunden eine Kaffeepause und trafen  ein Münchner Pärchen, die sehr  schnell, aber dafür nur kurze Strecken gingen und weil sie gerne mit dem Taxi fuhren haben wir sie noch öfter getroffen. Die Landschaft war sehr abwechslungsreich, es ging vorbei an einem Stausee, auf und ab in einem total verbasteten Wald, der sich mit Ginstersträuchen abwechselte. Als wir in Rionegro del Puente, wo wir in der Herberge übernachten wollten ankamen, begann es wieder zu regnen. In der Herberge in denen schon Rene und die Wuzileins im warmen oberen Stock waren, war es im Parterre wo noch freie Betten waren so kalt, dass wir beschlossen noch 10 km zu gehen, es gab dort ein Hotel wo noch Zimmer frei waren. Sebastian der gerade einmarschierte schloß sich uns an. Es waren trotz Regen und Matsch sehr kurzweilige 10 km, da ich mit Sebastian über Gott und die Welt sprach. Wir bekamen ein warmes Zimmer, ein gutes Pilgermenü und während des Essens schauten wir Fußball.

 

Mombuey - Puebla de Sanabria, 33.Tag 32,2 Km (935,5 Km)

Da es Fernfahrer Hotel war hatte die Bar 24 Stunden geöffnet und deshalb bekamen wir schon frühmorgens Kaffee und ein frisches Croison. Das Wetter wurde von Stunde zu Stunde besser. Trotz vieler Baustellen hatten wir kein Problem auf dem Camino zu bleiben. Gut, dass wir von Margitta und Werner gelernt haben immer etwas Proviant dabei zu haben, dess es gab weit und breit nicht zu essen. Zunehmend wurde es wärmer und wir zeigten wieder Knie. Am frühen Nachmittag quartierten wir uns in einer netten Herberge ein, ein Teil der Mischpoche war schon da. Wie in Spanien üblich, lief in jeder Bar die Glote,  gut, weil gerade die Fußball Europameisterschaft war. Beim Abendessen wurde es etwas teurer, denn wir nahmen Spagetti statt des Pilgermenüs und im übrigen hätte man sich das Essen ersaufen auch können, weil es zu jedem Glas Wein so ausreichend Tapas gab, dass man bei unserem Weinkonsum locker satt geworden wäre. Um halb elf nach dem Fußballspiel war Gitterbettsperre.

 

Puebla de Sanabria - Lubian, 34.Tag 30,6 Km (966,1km)

In der Mogendämmerung gingen wir eine Zeit mit Christl und Resi den beiden älteren  Damen aus der Steiermark entlang der Straße, da der Camino überflutet war. Der alte Ortsteil von Puebla liegt auf einem Hügel, den wir umgingen.  Auch heute war uns der Wettergott gut gesonnen und wir genossen die Landschaft die sich streckenweise von ihrer wildromantischen Seite zeigte. Teilweise war der Jakobsweg, wie auch schon an Tagen zuvor so überflutet, dass wir von Stein zu Stein hüpften mussten. Kurz vor dem Aufstieg machten wir noch kurz Pause. Am Pass angekommen tranken wir ein Glas Wein, Traute und Traudl kauften sich ein Opinelmesser. Vorbei an einsamen Häusern und durch Ginsterfelder steuerten wir unser nächstes Ziel an, da wir das Hotel an der Passstraße in dem wir ein Zimmer reserviert hatten, bereits Mittag erreichten gingen wir weiter. Die Herberge in Lubian gefiel uns überhaupt nicht und so nahmen wir uns ein Zimmer in der  Casa Rural an der Hauptstraße, das wunderschöne Zimmer hatte. Wir aßen mit Henner und Traute zu Abend , nach ein bißchen fernsehen mit Weinbegleitung, verzogen wir uns ins Bett.

 

Lubian - La Gudina, 35.Tag 27,3 Km (993,4 Km)

Wie der Pilger so schön sagt, "Santiago fängt zu ziehen an", so ist es auch bei uns. Immer öfter mußte ich an Santiago denken, die Kilometer bis zum Ziel werden überschaubar. Die Landschaft durch die wir mit Henner und Traute gehen präsentiert sich in einer nahezu unübertrefflichen Schöneit. An einem Meilenstein lesen wir, dass wir Kastilien verlassen und nach Galizien, unserer Lieblingsregion in Spanien kommen. In einer kleinen Ortschaft frühstückten wir in einem tollen 4 Sterne-Hotel, bei dem wir nicht wußten wie es dort hinkam, weit und breit nur ein paar Pilger. So um drei kamen wir ans Ziel. In der Herberge bezogen wir unsere Betten. Die Tage vorher sahen wir immer wieder Eselspuren und in dieser Herberge trafen wir Esel und Führer, ein spanischer Ingenieur mit dem Sebastian unser Sprachgenie sofort ein Gespräch anfing. Da die Küche schlecht ausgestattet war, aßen wir kalt zu Abend. Wir machten Feuer im Kamin, leider zog der nicht richtig und so hätten wir beinahe die ganze Herberge ausgeräuchert, da der Rauch nach oben in den Schlafsaal und nicht durch den Kamin zog. Dass uns niemand lünchte, ist mir bis heute ein Rätsel. Bastian machte es sich, wie schon so oft auf dem Sofa, im Aufenthaltsraum bequem, denn hier hörte er keine Schnarcher.

 

La Gudina - Laza, 36.Tag 33,8 Km (1027,2 Km)

Wir sahen, wie auch schon die letzten Tagen die Baustellen der neuen Zugverbindung Billbao - Santiago. Ein irres, aneinanderreihen von Tunnels und Hochbrücken, ein Wahnsinnsobjekt, das nur mit Unmengen von EU Geldern zu finanzieren ist. Auf unserem Weg waren auch einge Stauseen und wir kamen durch einverfallenes, ehemaliges Bergarbeiterdorf, wo wir kurz Pause machten. Nach dem Abstieg kamen wir in ein Dorf in dem es außer für unsere schnellen Kuzstreckenmünchner keinen Platz gab, da von Bauarbeitern der Eisenbahnstrecke die Quartiere belegt waren. Henner hatte sich am Vortag beim Holzkleintreten das Knie beleidigt und hatte große Schmerzen, so bestellten er für sich und Traute ein Taxi für den Rest des Strecke, Christl und Resi fuhren auch mit, da wie schon erwähnt Resi einige Blasen an den Füßen hatte.Wir gingen unseren Weg , machten an einem idyllischen Rastplatz, mit einem Pärchen aus Kanada, das wir immer wieder mal trafen Pause. Henner und Traute waren schon in der Herberge und kochten für uns und Sebastian, den wir auch noch erwarteten. Ich redete ihnen ein bisschen ein schlechtes Gewissen ein, da sie unsere Ruchsäcke nicht mit dem Taxi mitnahmen. Mit der Bettenreservierung die nach Zimmernummern ging brachten wir alles durcheinander. Als alles angerichtet war trudelte auch Sebastian mit einer Flasche Wein ein. Er ist der perfekte Genusspilger, geht morgens als letzter, kommt abends als letzter, unterhielt sich mit den Einheimischen auf der Strecke   und wußt immer nette Geschichten zu erzählen. Auch hier bezog er seinen Lieblingsplatz am Sofa im Aufenthaltsraum. Im Bett noch hörten wir, dass im Dorf ein Fest war das um Mitternacht erst so richtig losging.

 

Laza - Xunqueira de Ambia, 37.Tag 33,1 Km (1060,3 Km)

Am Morgen staunten wir nicht schlecht, Sebastian war in der Nacht noch auf die Piste gegangen und hatte viel zu erzählen. Beispielsweise, daß er Dudelsack gespielt hatte usw. Einem Fluss folgend gingen wir das erste Stückchen, dann ging's auf einem langen Anstieg bergaufwärts wo uns die Holländerinnen wieder über den Weg liefen. Bus und Taxi machen alles möglich. Die Wuzileins gingen der Straße entlang um Henners Knie zu schonen. Auf der Anhöhe angekommen gingen wir in eine verrückte Bar frühstücken. Die Bar war mit tausenden signierten Jakobsmuscheln dekoriert und auch wir verewigten uns in einer Muschel. Lange gingen wir auf einer Hochebene in schönen Natur und bei schönem Wetter. An einem Kreuz begann der Abstieg, nach diesem langen Abstieg kamen wir in einer modernen Herberge an, die uns aber trotzdem nicht gefiel. Wir beschlossen uns ein Habitation Privado zu suchen, machten in der Kneipe Pause, nahmen uns noch eine Flasche Weißwein mit und aßen im Aufenthaltsraum unserer Unterkunft unseren restlichen Proviant auf. Nach einem  Spaziergang lagen wir im Bett und sahen von dort den Sonnenuntergang.

 

Xunqueira de Ambia - Ourense, 38.Tag 22 Km (1082,3 Km)

Die fünf alten Spanier, die die anderen Zimmer im Haus belegten machten sich relativ früh bemerkbar und es gab ein Gedränge ums Bad, das wir mit Ihnen teilen mußten. Auf einem langweiligen, unspektakulären Weg trübte sich das Wetter ein und wir mussten, da es zu regnen begann die Pelerinen anziehen. Nach einer Pause mit Sebastian der uns auf diesem Weg begleitete, trafen wir relativ früh in Ourense, einem etwas größeren Ort ein. Wir belegten die Betten in einer schönen alten Herberge, dann schlenderten wir durch die Stadt und genossen Kaffee am Plazza Major. Wir fanden am Heimweg ein irisches Pup, dort trafen wir Traute und Henner, auch Sebastian gesellte sich dazu, hier konnte ich meinen Guinnesshunger ausgiebig stillen. Abends kochten wir Rührei mit Schinken, Sebastian machte den Abwasch, ein bisschen plaudern und es ist wieder mal Zeit fürs Bett.

 

Ourense - Cea, 39.Tag 22 Km (1104,3 Km)

Mit Henner und Traute verliesen wir  die Herberge, Henner und ich spielten vor einer Grafittiwand auf denen ACDC abgebildet waren, Luftgitarre. Nach dieser künstlerischen Einlage ging es zuerst ewig lang bergauf. Oben angekommen war die einzige Bar geschlossen, soviel zur Geschäftstüchtigkeit unserer EU Mitbürger. Nach einiger Zeit kam wir an eine "Bar" dessen Wirt, ohne Zulassung nur Spenden annahm und damit recht gut fuhr. Die Einrichtung ist sehr verrückt und daher individuell. Nach einer ausgiebigen Pause, machten wir uns durch eine wildromantische Gegend, auf nach Cea unserem heutigen Ziel.  Hier gibt es schon viele für Galizien typischen Getreidespeicher. Am Ortseingang gingen wir nochmals in eine Bar, kurz darauf in die Herberge, mit guten Betten aber äußerst unsauberen sanitären Anlagen. Der Herbergsvater hatte eine Baskenmütze auf und sah sehr originell aus. Leider war er ein kleines Schweinchen, denn er verteilte beim Putzen mit einem Wischer den Dreck von einer zur anderen Seite. Auch hier bereiteten wir unser Abendessen selber zu und Sebastian lieferte den obligatorischen Wein.

 

Cea - Silleda, 40.Tag 42,0. Km (1146,3 Km)

In der Gruppe verließen wir bei wolkenverhangenem Himmel die Herberge, auch die Gegend passte sich dem Wetter an, sie war langweilig. Die Strecke teilte sich, eine ging zum Kloster Oseira, diesen Weg nahmen Sebastian, Rene, Resi und Christl, wir gingen in  Richtung Silleda.  In  einem kleinen Dorf kam eine moderne Herberge die einige Designerpreise bekommen hat, die aber schon ziemlich voll war. Designerpreis hin oder her, da wir keinen Platz in Fensternähe bekamen entschlossen wir uns bis Silleda, der nächstgelegenen Stadt zu gehen. Wir rasteten etwas länger und wanderten los und genossen die späte Nachmittagssonne.  Auf dem Weg dorthin überquerten wir eine 1000 Jahre alte Römerbrücke. In Silleda angekommen fanden wir ein nettes Hotel und dass nur um 30 Euro. Zu Abend aßen wir im Restaurant nebenan, das Pilgermenü schmeckte ausgezeichnet und der Wein war auch nicht zu verachten.

 

Silleda - Santiago de Compostella, 41.Tag 42 Km (1189,3 Km)

Bis zu unserem heutigen Ziel wären es circa 30 km, aber es kommt meistens anders als man denkt. Bei wolkenverhangenen Himmel machten wir nach etwa 12 km, in einer Bar die erste Pause, der Hunger war schon so groß, dass wir ein Bogadillo, das so grausig war und uns lange im Magen lag, aßen.  Wir glaubten viele Mitpilger hinter uns gelassen zu haben, da wir ziemlich große Tagesetappen machten, aber auf einmal sahen wir Christl vor uns. Also doch Bus gefahren. Wir erfuhren, daß Camilo unser kleiner Italiener wegen vielen Blasen  aufgeben mußte, eine besondere Tragik, weil das Ziel doch so nah war, auch einen der beiden Franzosen die uns seit Sevilla begleiteten hat es erwischt. Er  hatte eine große entzündende Blase und mußte leider mit dem Bus weiterfahren. Traudl konnte ich überreden in einem Zug bis Santiago durchzugehen, da ich bei dem Gedanken an die guten Spaghetti die in Santiago auf mich warteten schon einspeichelte. Wir machten noch zweimal Pause, einmal  um einen Schnaps zu trinken und unsere Magenverstimmung nach dem grusligen Bogadillo zu kurieren und das zweitemal um unseren Füßen noch einmal eine Pause zu gönnen. In dieser Bar war alles ungenießbar, der Wein schmeckte schlecht und die Tampas waren gesottene Schweinsohren. Da erste, was wir nach vielem auf und ab von Santiago sahen, war ein Riesenrad, denn es war gerade ein Vergnügungspark in der Stadt. Auch das Wetter spielte mit, die Sonne lachte vom Himmel. Obwohl wir nun doch schon einige Male  in Santiago waren und egal von welcher Seite man kommt, es ist nach den langen Wegen ein erhebendes Gefühl. Ein bißchen Stolz über das Erreichte, ohne öffentliche Verkehrsmittel, Taxis oder Autostopp benutzt zuhaben, schleicht sich ein. Andererseits muß man dankbar sein, wenn man den Weg durchgehen konnte. Ein verknackster Knöchel,  ein kaputtes Knie oder eine entzündete Blase und der Jakobsweg ist zu Ende. Über das Internet hatten wir ein Zimmer in einem kleinen Hotel gebucht und landeten einen Volltreffer. Schöner und günstiger in dieser Qualität gibt es nicht. Beim Schlendern durch Santiago sahen wir keine bekannten Gesichter, da wir in den letzten Tagen ziemliche Mosteretappen machten. Die Spaghetti bei unserem Lieblingsitaliener waren den Lohn für diese weite Etappe wert. Nach einem Absacker lagen wir im Bett und sahen durch das Mansardenfenster die Trüme der Cathedrale.

 

Santiago, 42.Tag

Heute genießen wir das Bett und die wunderbare Bettwäsche etwas länger als gewohnt. Die gesten schon bewunderte Türme blitzten im Sonnenschein und so konnten wir ein paar tolle Fotos machen. Schön langsam machten wir uns auf den Weg zum Frühstück und bekamen in einer Bar die wir von früher kannten, Cappuccino und Croisant, anschließend gingen wir zum Pilgernüro und holten uns unsere Compostella. Dazu mussten wir unsere Pilgerpässe vorlegen, anhand der Stempel sieht man, wer wie weit und von woher man gegangen ist. Langsam liefen die ersten bekannten Gesichter in Santiago ein. Sebastian empfahlen wir natürlich unser Hotel, das ihm selbstverständlich gefiel. Wir spazierten durch Santiago gingen zur Messe und freuten uns, dass der große Weihrauchkessel geschwenkt wurde. Kurzum, wir liesen die Stadt so richtig auf uns wirken und man hat ein unheimlich gutes Gefühl, zu Fuß, hier angekommen zu sein. Ich glaube,  dass kommt weil die vielen Pilger unheimlich viel positive Energie mit in die Stadt bringen. Bei einem Glas Wein saßen wir in der Abendsonne, Traudl ging mir zu Liebe noch einmal zum Italiener. Ich glaube ich bin Spaghetti süchtig. Nach enem Gute Nacht Drink gingen wir in unser Hotel.

 

Santiago de Compostella - Vilaserio, 43.Tag 36 Km (1225,3 Km)

Santiago schlief noch als wir loszogen. In einer kleinen Bar am Stadtrand bekamen wir ein gutes Frühstück. Der Wettergott schien uns auch zu mögen, Herz was willst du mehr. Die, für diese Gegend typischen Eukalyptuswälder verströmten ihren, um diese Tageszeit besonders kräftig, herrlichen, markanten Duft. Nicht an alles, was man vor drei Jahren gesehen hat, konnte man sich erinnern. Aber an die schöne Brücke von Ponte Maceira konnte ich mich sofort erinnern. In Negreira einem Ort in dem wir schon 2013 übernachtet hatten, machten wir eine ausgiebige Rast und gingen dann weiter, weil wir noch fit waren. Stätig ging es bis zu einer relativ neuen Herberge immer ein bisschen bergauf. Sie lag im Nichts und das wußte auch der Wirt, denn er verlangte für zwei Gläser Wein vier Euro. Das war das letzte Geld das der Wirt von uns bekam, denn abends aßen wir unsere Reste, sahen noch ein bißchen fern und gingen wie so oft am Jakobsweg, früh zu Bett.

 

Vilaserio - Cee, 44.Tag 41 Km (1266,3 Km)

In Santa Marina staunten wir nicht schlecht, denn in der Bar in der wir frühstückten lief im Fernsehen kein Blödsinn, sondern die Übertragung eines klassischen Konzerts. Schöne Kornspeicher, eingebettet in einer Landschaft, die abwechselnd aus Eukalyptuswäldern und landwirtschaftlichen Flächen bestand säumten den Weg. Jetzt kam einer der schönsten Abschnitte des gesamten Jakobsweges. Zuerst ein kam renoviertes Dorf, eine Bar wo wir noch unseren Durst stillten und eine Hochebene mit einem Meer von Ginster, die gelbe Farbe, begünstigt durch das wunderbare Licht strahlte unheimlich kräftig. Dann war es endlich soweit, mitten im Ginstermeer sahen wir den Atlantik, wunderschön und doch waren wir ein bischen traurig, signalisiert er doch das nahende Ende unserer Reise. Abstieg nach Cee, in diesem Küstenstädchen suchten wir ein Habitation Privado und bekamen ein nettes zu einem vernünftigen Preis. Das schöne an diesen Tagen war, daß wir nichts planten und uns treiben liesen.

 

Cee -Lieres, 45.Tag 33 Km (1299,3 Km)

Mit unserer spanischen prepaid Nummer Telefon unseren Freunden Gerda und Wolf die vor ca. einer Woche nach Málaga geflogen sind, günstig telefonieren. Sie haben unser Auto vom Dauerstellplatz in Málaga geholt und sind über Madrid in den Norden gefahren um uns aufzulesen und dann gemeinsam an der portugiesischen Küste und der Agave bis Málaga zurückfahren. Die Wuzileins denen wir von unseren limettengrünen Caddy Tramper erzählt haben riefen uns an und erzählten uns, daß sie unser Auto schon  Muxia gesehen hatten. Henner und Traute sind von Santiago mit dem Bus nach Muxia gefahren. Mit Wolf und Gerda verabredeten wir uns in Lieres. Bei herrlichen Wetter zogen wir los in Richtung Finisterre plauderten mit einem sturen Franken und kamen am späten Votmittag nach einer Strandwanderung in Finesterre an. Die Rucksäcke stellten wir in einer Bar ab und gingen rauf zum Leuchtturm. Nach den unvermeidlichen Fotos und starken Erinnerungen an die Abschiedsfeier 2010 machten wir uns auf den Weg nach Lieres, zuerst stetig bergann, dann vorbei an einer nagelneuen Brücke von der aus wir die Steine sehen konnten über die wir 2010 noch furten mussten. Noch durch den Oort und wir waren an der vereinbarten Bar. Kurz darauf gabs ein Hallo mit Gerda und Wolf. Nach einem Begrüßungsfläschchen fuhren wir  zum Essen nach  Finesterre. Ein komisches Gefühl wieder einmal in einem Auto zu sitzen. Am Hafen bekamen wir ein super Menü del Dia, waren glücklich und zufrieden. Unser Zimmer in Lieres war zwar schön aber feucht, die Betten waren so klamm, dass ich Mühe hatte mich warm zu halten.

 

Lieres - Muxia, 46.Tag 17 Km (1316,3 Km) Muxia - Santiago

Bloß nichts kneifen, auch die letzten 17 Kilometer bis Muxia werden gegangen und nicht gefahren. Gerda und Wolf schliefen noch, als wir nach einem kleinen Frühstück ohne Rucksack losgingen. Die letzten Kilometer sollten ein Spaziergang sein und trotzdem haben wir uns verlaufen, Muxia kam dann doch bald in Sicht, als wir in den Ort gingen und Gerda und Wolf anriefen um unsere Ankunft zu verkünden, standen die Beiden am höchsten Punkt wie am Feldherrnhügel und schauten wie das Fußvolk einzog. Wir holten uns die Muxia, das ist eine Urkunde, ähnlich der Kompostella, tranken einen Kaffee und fuhren Richtung Santiago. Unterwegs aßen wir in einem verschlafenen Städtchen hervorragend zu Mittag, wir drei Gambas in Öl und Wolf Tintenfisch in Tinte. In Santiago gingen wir wieder in das gleiche Hotel da wir noch die Rechnung zu begleichen hatten, ich leistete mir ein schickes Blouson von Replay, welches ich mir schon bei der Ankunft in Santiago angeschaut habe. Abends trafen wir uns mit Margitta, Werner, Traute und Henner vor der Kathedrale um den letzten Abend noch gemeinsam zu verbringen. Im Restaurant trafen wir noch jede menge bekannter Gesichter die uns auf unserer Reise immer wieder über den Weg liefen. Es kamen auch noch einige andere bekannte Gesichter hinzu und es kam so wie ich es am liebsten mag, eine lange Tafel, gutes Essen, guter Wein, nicht zu wenig und gute Geschichten ein toller Abschluss und ein gutes Ende einer langen Pilgerreise.

Gehen ist des Menschen beste Medizin

(Hippocrates, 460 v.Chr. - 375 v.Chr.)

 

                        

Die Landschaft erobert man mit den Schuhsohlen,

nicht mit den Autoreifen.

Georges Duhamel Humanist (1884 -1966)

oder mit den Radreifen.

(Traudl & Eugen)

 

 

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,

den schickt er in die weite Welt;

Dem will er seine Wunder weisen,

in Berg und Wald und Strom und Feld.



Die Trägen, die zu Hause liegen, Erquicket nicht das Morgenrot,


sie wissen nur von Kinderwiegen,

von Sorgen, Last und Not um Brot.



Die Bächlein von den Bergen springen,


die Lerchen schwirren hoch vor Lust,

was soll ich nicht mit ihnen singen,

aus voller Kehl und frischer Brust?



Den lieben Gott laß ich nur walten;

der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld

und Erd und Himmel will erhalten,

hat auch meine Sach aufs best bestellt!

 

 

Der frohe Wandersmann

Joseph von Eichendorf  (1788-1857)

Alte Sprache, aber zeitgerechter Text.

 

 

Nur aufs Ziel sehen verdirbt die Lust am Reisen.

Friedrich Rückert (1788 - 1866)

 

 

Was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

 

 

Last but no least:

Entspanne dich!  Lass das Steuer los!

Trudle durch die Welt, sie ist so schön.

Kurt Tucholsky